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Die Tragödie vom März 1918 in Baku

von Adil Shamiyev

Aserbaidschan ist ein Land im Südkaukasus, das von einer großen Teilung betroffen war und eine 100-jährige Geschichte der Tragödie erlebt hat. Der Grundstein für diese Tragödien wurde durch die Abkommen von Gulustan und Turkmenchay gelegt, die 1813 und 1828 unterzeichnet wurden, also vor der Spaltung des aserbaidschanischen Volkes und der Aufteilung seiner historischen Gebiete. Ende März 1918 verübten die bewaffneten Formationen der armenisch-nationalistischen „Daschnaktsutyun“-Partei unter der Führung von Stepan Schahumjan mit Unterstützung der bolschewistischen Führer des Rates von Baku Massenmorde und Pogrome an Aserbaidschanern.

Nach der Oktoberrevolution in Russland im Jahr 1917 übernahmen die Bolschewiki die Macht in Baku und sahen in der armenisch-nationalistischen Partei Daschnaksutyun einen Verbündeten, um aus der Situation vor Ort Kapital zu schlagen. Der Anführer der russischen Bolschewiki, Wladimir Iljitsch Lenin, ernannte den ethnischen Armenier Stepan Schahumjan zum außerordentlichen Kommissar für den Kaukasus. Die starke Förderung und Unterstützung durch die bolschewistischen Machthaber ermutigten die Armenier, im Rahmen der sogenannten Operationen gegen konterrevolutionäre Elemente einen Plan zur Auslöschung der Bevölkerung Aserbaidschans in die Tat umzusetzen.

Die Massentötungen aserbaidschanischer Zivilisten begannen Ende März 1918

Die Gründe, warum der Armenische Nationalrat und „Daschnaksutyun“ die Bolschewiki unterstützt haben, waren vielfältig. Zunächst waren die Armenier, besonders diejenigen, die in der russischen Armee gekämpft haben, wegen des Scheiterns ihrer Wünsche nach nationaler Autonomie bzw. einem Nationalstaat sehr frustriert. Die aserbaidschanische Bevölkerung von Baku, die wehrlos war, sollten jetzt Opfer dieser Frustration sein. Sie waren aus dem Blickwinkel armenischer Nationalisten ein geeignetes Ziel der Rache für die unerfüllten Nationalfantasien. Außerdem war Baku an sich sehr wertvoll und konnte später zu dem neuen armenischen Staat angegliedert oder gegen die anderen aserbaidschanischen Gebiete ausgetauscht werden. Die Massentötungen begannen Ende März 1918 in Baku und griffen auf andere Regionen Aserbaidschans über, unter anderem auf Schamachi, Guba, Karabach, Zangezur, Goytscha, Nachitschewan, Salyan und Lankaran.

Bis zur Befreiung der Stadt Baku war diese dem Terror armenischer Streitkräfte ausgesetzt

Die Zivilbevölkerung wurde brutal massakriert, Dörfer in Schutt und Asche gelegt und Denkmäler systematisch zerstört, um das Gebiet von allen kulturellen und historischen Zeugnissen der aserbaidschanischen Existenz zu befreien. Das Bild der Stadt Baku nach dem Massaker sah schrecklich aus. Die aserbaidschanischen Viertel standen leer und zerstört. Bis zur Befreiung von Baku im September 1918 war die Bevölkerung dem Terror der armenischen Truppen ausgesetzt. Die Sonderuntersuchungskommission, die nach der Befreiung von Baku berufen wurde, um die Ereignisse vom März 1918 aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen, berichtete von zwölftausend Opfern, darunter auch viele Frauen und Kinder.

Nach der Ausrufung der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik (ADR) am 28. Mai 1918 wurden die „Märzereignisse“ von der ADR-Regierung untersucht. Die Dokumente der Kommission spiegeln die schreckliche Statistik der Tragödie wider. Armenische Daschnaks massakrierten die türkisch-muslimische Bevölkerung und verschonten dabei nicht einmal Kinder, alte Menschen und Frauen. Die Besetzung Aserbaidschans durch die sowjetische Armee im Jahr 1920 und der Zusammenbruch der ADR verhinderten den Untersuchungsprozess und die politische und rechtliche Anerkennung der Tragödie.

Zu Sowjetzeiten war es in Aserbaidschan nicht erlaubt, an die Opfer des Völkermords von 1918 zu gedenken

Das aserbaidschanische Volk konnte in den Jahren der Sowjetunion nicht an den Völkermord an den Aserbaidschanern gedenken (vergleichbar mit den Ukrainern, die nicht an den Holodomor und die Tscherkessen nicht an den Völkermord von 1864 erinnern konnten). Erst nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Republik Aserbaidschan im Jahr 1991 gewann das Thema an Bedeutung, und auf Initiative des nationalen Führers Heydar Aliyew wurde eine Untersuchung dieses blutigen Völkermords eingeleitet. Durch ein historisches Dekret vom 26. März 1998 wurde der 31. März zum „Tag des Völkermordes an den Aserbaidschanern“ erklärt. Seitdem wird der 31. März jedes Jahr in unserem Land und an anderen Orten, an denen Aserbaidschaner leben, als Tag des Genozids begangen und das Gedenken an seine Opfer begangen.

Die Geschichte ist nicht tot und begraben

Das Massengrab, das 2007 bei Bauarbeiten in der Stadt Guba zufällig entdeckt wurde, war ein anschauliches Zeugnis für den Völkermord an der muslimischen Bevölkerung von Guba, der im Mai 1918 von armenischen Streitkräften unter bolschewistischem Namen begangen wurde. Der aktuelle Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyew, unterzeichnete am 30. Dezember 2009 die Verfügung zur Errichtung eines „Genozid-Gedenkkomplexes“ in der Stadt Guba, um der Weltgemeinschaft diese Tatsachen vor Augen zu führen, das nationale Gedächtnis künftiger Generationen des aserbaidschanischen Volkes zu bewahren und die Erinnerung an die Opfer des Genozids zu verewigen.

Der Ort, an dem die menschlichen Knochen während des Wiederaufbaus des Sportkomplexes am rechten Ufer des Gudyalchay im Gebiet Guba gefunden wurden, kann nicht als Friedhof bezeichnet werden. Denn die menschlichen Knochen wurden in einem Haufen gefunden, der in große Löcher geworfen wurde. Die Knochen wurden in zwei Brunnen an den Ufern des Flusses gefunden. Der Durchmesser des großen Brunnens beträgt 5 m, der des kleineren 2,5 m. Der Abstand zwischen den Brunnen beträgt zwei Meter. Hunderte von zusammengewürfelten menschlichen Skeletten wurden in den großen Brunnen geworfen.

Der armenische Vandalismus endete jedoch nicht mit dem Völkermord von 1918. Wenn wir in den Geschichtsbüchern von 1990, 1991 und 1992 blättern, stoßen wir erneut auf die Tragödien des Völkermords. Solche Tragödien wie Garadağli, Chodschali, Agdaban, Ballıgaya, Baschlibel und andere zeigen, dass der Hass auf die Armenier über die Jahre nicht abgekühlt ist. Dennoch musste dies eines Tages ein Ende haben, und dieser Tag kam schließlich mit dem zweiten Karabach- bzw. Vaterländische Krieg, der mit dem glorreichen Sieg der aserbaidschanischen Armee unter dem Kommando des Oberbefehlshabers endete. Der Sieg setzte der hundertjährigen armenischen Politik des Völkermords am aserbaidschanischen Volk ein für alle Mal ein Ende.

Adil Shamiyev ist Dolmetscher und studierte an der Humboldt-Universität ein Semester Politik und Internationale Beziehungen. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Dolmetscher schreibt er Beiträge für verschiedene Medien mit Schwerpunkt Kaukasus und Osteuropa.

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